LINUS BARTA 

20.11.2020 - 08.01.2021

Soft-Opening Freitag, 20. November ab 16.00 Uhr
Die geplante Vernissage, Rede und Konzert werden wir hoffentlich mit einer Finissage nachholen!
Öffnungszeiten: Mi. - Fr. 16.00 - 19.00 Uhr


Sage mir, Muse, die Thaten des vielgewanderten Mannes, Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung, Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat...

                                                                                 Homer, Odyssee, Anrufung der Muse

Der sensible Odysseus

Homer beschreibt seinen Odysseus als neugierig, listig und wissensdurstig. Auch soll er einen Bart (rot!) getragen haben.

Linus Barta entspricht nicht nur optisch diesem Typus. Seine Bilder sind archaisch, seine Interessen in der Kunst (Musik, Malerei, Video...) sind so vielfältig wie alle Stationen, die Odysseus auf seiner 7-jährigen Irrfahrt durchlebt hat. Heißt da ein Kunstwerk nicht ganz zufällig Filhos do Oceano? Natürlich, treibt er ja mit seinem Wohnmobil von Portugal über Berlin, Wien und Bregenz.
Selbstbewußt betreibt er mit Scheitern und Irren sein Tagesgeschäft.
"Meine Malerei ist nicht konzeptuell sondern spontan. Norbert Schwontkowski sagte mal, dass 70 Prozent seiner Arbeiten gescheiterte Arbeiten sind, so ist das auch bei mir. Bilder werden immer wieder übermalt, genau so entsteht auch eine Materialität. Ich bin insofern mein größter Kritiker. Wichtig ist für mich, dass Farbe eben Farbe sein darf und es wird bis zu dem Punkt übermalt, wo ich selber sagen kann, dass das Bild nun für sich selbst steht." (Linus Barta im Gespräch mit Felix Holzer, 2019)
Diesen Ansatz zur Kunst estimiert er, er genießt den ständigen Wandel. Kurz vor Ausstellungsbeginn fragt er mich, ob er nicht noch ein Bild malen soll, ein großes, Ja aber, das wird ja nie trocken zum Termin, eben, das sei doch das Geniale. Linus Barta, wie er leibt und lebt!
Schwelgen in Extremen. Geradezu rücksichtslos setzt er sich über alle Konventionen in der Formatgebung hinweg. Seine martialischen Köpfe brillieren auf Riesenformaten oder Miniaturen, die locker in jede Handtasche passen. Dabei ist die Wertigkeit genau dieselbe.
Auf einem der großformatigen Ölbilder sitzt einer sattelfest, aber doch frei schwebend auf schlammgünem Hintergrund. Der Körper nur skizziert, der Kopf dominiert von Bart(a) (nomen est omen) und über allem steht ein Sichelmond. Das ist schönste Abendstimmung in Schlamm!
In diesen Farbtönen tobt er sich aus, schlammgrün, morastgrau, moosfarben ab und zu etwas taubenblau, reines Schwarz selten, aber oft grau durchmischt, ein Nahezu-Schwarz für ab und zu notwenige Konturen, aber meistens läßt er auch die weg.
Den Stempel des jungen Wilden hat man ihm schon längst verpasst! Dabei ist es nur eine der vielen Facetten. Ich glaube, mit dieser Zuordnung ist er nicht ganz zufrieden. Zu Recht!
Ich spanne den Bogen des Odysseus zu seinen letzten stillen, monochromen Ölbildern. 2 Quadrate in seinen bevorzugten Farben, dick aufgetragen (dick trägt er immer auf, Bescheidenheit ist nicht seine Tugend!). Titel Bootshaus 1 und Bootshaus 2. Gerade von Portugal kommend, lebt er derzeit in einem Bootshaus ohne Internet in Fußach.
Im sicheren Hafen der Penelope ist er aber längst nicht angekommen.
Isabel Sandner

PS: Linus Barta ist leidenschaftlicher Surfer (das passt!)

Phallus

P.M.

Kopf